Wohlfühlurlaub mit Tapetenwechsel
Bäder-Pauschale macht es möglich: Alle zwei Tage entspannen bei einem anderen Wellness-Programm
Bad Wörishofen. Kneippen in Bad Wörishofen, danach ein Moorbreibad in Bad Schussenried und zuletzt japanische Saunakultur in der Bodensee-Therme von Überlingen genießen. Und auf dem Weg von einem Kurort zum nächsten fernab der Touristenströme die reizvolle Voralpenlandschaft entdecken. So vielseitig kann "gesunder" Urlaub sein.
Erholung mit einem individuell kombinierten Wohlfühl-Programm: Ein neues Pauschalangebot der Schwäbischen Bäderstraße macht es möglich. Unter dem Motto "Kraft tanken" kann man in jedem der neun Mitgliedsorte zwischen Bodensee und Unterallgäu für 149 Euro eine Pauschale buchen, die zwei Übernachtungen mit Frühstück in einem Drei-Sterne-Hotel, zwei dreigängige Menüs und zwei Wellnessanwendungen inklusive Kurtaxe umfasst.
"Medical Wellness" lautet das Konzept, mit dem die Heilbäder im Zeitalter der Gesundheitsreformen gegen die Kurgastflaute ankämpfen. Viele Kurbetriebe haben sie nicht überlebt. Der Anteil der Sozialkuren sank auf 20 Prozent. Vier von fünf Kurgästen sind heute Selbstzahler, und sie wollen etwas geboten bekommen für ihr Geld.
Die Zukunft liegt nach Überzeugung des Bad Wörishofener Bürgermeisters Klaus Holetschek in hochwertigen Wellnessangeboten. Er sieht die prominente Kurstadt, als Wiege der Kneipp-Therapie seit 150 Jahren in aller Welt ein Begriff, für den Gesundheitstourismus gut aufgestellt. Früher arbeitete der Bademeister Montag bis Freitag, heute herrscht auch am Wochenende Hochbetrieb in den Bäderabteilungen. Im luxuriösen Steigenberger-Hotel, das an verlängerten Wochenenden nochmal so viele Zimmer füllen könnte, weiß man: "Die Gäste wollen etwas tun für ihre Gesundheit und nicht nur ein bisschen planschen."
Kneippkur voll im Trend
Dass die Übernachtungszahlen seit zwei Jahren wieder deutlich steigen, verdankt Bad Wörishofen seiner neuen Attraktion: der Südsee-Therme. Das 28 Millionen Euro teure Badeparadies mit Sandstrand und echten Palmen läuft so gut, dass der private Betreiber weitere 16 Millionen Euro in die Erweiterung der Saunalandschaft investieren will.
Die Kneippkur liegt nach Rückbesinnung auf die Heilkräfte der Natur wieder voll im Trend. Auch in Bad Grönenbach, dem anderen Premium-Class-Heilbad des Unterallgäus, wird die ganzheitliche Gesundheitslehre von Pfarrer Sebastian Kneipp in zeitgemäßer Form vermittelt. In dem beschaulichen, von einem Schloss überragten Städtchen hatte der junge Sebastian Kneipp einst Latein gelernt und sich beim (evangelischen) Pfarrer, der auch Botaniker war, die Basis für seine Pflanzenheilkunde angeeignet.
Sie bildet zusammen mit einer hoch entwickelten Hydrotherapie - von Pfarrer Kneipp sind über 100 Wasseranwendungen überliefert -, einer naturgerechten Ernährung, körperlicher Bewegung und der Ordnungstherapie (Einklang von Körper, Geist und Seele) die fünf Säulen der klassischen Kneippkur. Statt Holz hacken im Wald, wie es Sebastian Kneipp seinen Patienten gern verordnete, besteht die Bewegungstherapie heute aus Nordic Walking, Wandern und Radeln. Jeder Kurort kann dafür mit einem gut ausgebauten Wegenetz aufwarten.
Spielzeug im Schloss
Über die Moorheilbäder Bad Wurzach und Bad Waldsee ist man beim Bäderhopping in Oberschwaben angelangt. In Aulendorf steht ein weiteres Highlight: die Schwabentherme, deren Glaskuppeldach sich zur Hälfte öffnen lässt. Sie ist eine Kombination aus Thermalbad und Spaßbad für die ganze Familie. Sauna und Römerbad komplettieren das Wohlfühl-Angebot.
Kunstfreunde kommen im restaurierten Aulendorfer Schloss auf ihre Kosten mit klassizistischer Kunst und altem Spielzeug aus der Sammlung des Württembergischen Landesmuseums.
Nach zwei weiteren Moorheilbädern (Bad Schussenried und Bad Buchau) lockt als vorletzte Wellness-Station das Heilbaden in der Sonnenhof-Therme von Bad Saulgau. Aus 646 Metern Tiefe sprudeln täglich 1,5 Millionen Liter schwefelhaltiges Heilwasser. Unbedingt lohnenswert ist ein Bummel durch die Altstadt mit alemannischen Fachwerkhäusern und einer Bronzeplastik von Kaiserin Maria Theresia. Sie erinnert daran, dass Bad Saulgau über 500 Jahre zu Österreich gehörte.
Blühendes Überlingen
Mit Überlingen ist die westlichste Station der Schwäbischen Bäderstraße erreicht. Die Ferienstadt mit der längsten Uferpromenade am Bodensee ist seit 50 Jahren Kneippheilbad und erlebt in mehrfacher Hinsicht eine neue Blüte. Das kann man getrost wörtlich nehmen, denn für die prächtigen Gartenanlagen erhielt sie beim Wettbewerb "Entente Florale" die Goldmedaille. Gold - und zwar den Internationalen Architekturpreis - gab es auch für die 2003 eröffnete Bodensee-Therme. Das Thermal- und Erlebnisbad mit umfangreichem Wellness-Programm und großem Saunagarten direkt am Seeufer beschert der Stadt wieder steigende Gästezahlen.